Erziehung und Beziehung

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Halt und Orientierung geben

Es liegt in der Natur der Pubertät, dass Teenager einen großen Freiheitsdrang haben und «frecher» und unabhängiger werden.

Dennoch müssen sie weiterhin Regeln und Grenzen respektieren. Achten Eltern darauf, geben sie ihrem Kind so Halt und Orientierung.

Mit altersangepassten Grenzen geben wir unseren Teenagern Halt und Orientierung. Gemeinsam getroffene Vereinbarungen helfen dabei. Dass das Kind dann einfach geduldig und verständnisvoll nickt, können wir (leider) normalerweise nicht erwarten.

Sagen wir als Eltern «Nein», sind Wut und Enttäuschung bei den Kindern normal. Bestehen Sie dennoch auf Dinge, die Ihnen wichtig sind und reagieren Sie auf Grenzüberschreitungen.

Heute wird gerne davon gesprochen, dass Kindern und Jugendlichen «Grenzen gesetzt werden müssen».

Denn fest steht: Grenzen und Regeln dienen dazu, die Rechte und Bedürfnisse aller zu schützen und sollten – in der Regel – eingehalten werden. Dies ist in der Gesellschaft so und gilt auch in Familien.

Grenzen setzen für eine gesunde Entwicklung

Die allgemeine Forderung nach mehr Grenzen oder große Sorge um ihr Kind verleiten Eltern aber oft dazu, «künstliche» Grenzen oder auch sehr enge Regeln und Verbote durchzusetzen – «weil man das doch muss»!

Wichtig ist, ein Maß zu finden, das eine gesunde Entwicklung des Teenagers ermöglicht. Klare Grenzen und Regeln sollen den Jugendlichen, innerhalb eines genug großen Freiraums, Halt und Orientierung geben.

Eigene Grenzen ernst nehmen

Für das richtige Maß kann das Wissen helfen, dass Kindern Grenzen zu setzen viel mit den eigenen Grenzen und Bedürfnissen zu tun hat.

Anders gesagt: Eltern dürfen und sollen zu den Forderungen ihrer Kinder «Nein» sagen, weil sie gleichzeitig zu ihren eigenen Gefühlen und Überzeugungen «Ja» sagen. Nehmen Sie also die Wünsche und Bedürfnisse Ihres Teenagers ernst, tun Sie das aber auch mit Ihren eigenen – und entscheiden Sie entsprechend.

So machen Regeln auch für die Kinder Sinn und sie lernen, die persönlichen Grenzen anderer Menschen zu respektieren. Gleichzeitig lernen sie an Ihrem Vorbild, auch ihre eigenen Grenzen zu achten und sich für diese einzusetzen.

Grenzen setzen – Darauf können Eltern achten

Erlauben – ja oder nein? Folgende Fragen können helfen:
Werden meine Bedürfnisse verletzt? Ist die Sicherheit von jemandem gefährdet? Falls ja, müssen Abmachungen getroffen werden.
Beispiel Ihr Teenager hört gerne laut Musik. Wahrscheinlich ist hier Ihr eigenes Bedürfnis nach Ruhe betroffen.

Leben Sie in einem eigenen Haus, könnte die Regelung sein: Laute Musik gibt es nur, wenn Sie weg sind.

Leben Sie in einer Wohnung, wäre Ihre Nachbarschaft mit dieser Abmachung sicher nicht einverstanden. Verhandeln Sie dann über eine maximale Lautstärke oder einen Kopfhörer.

Kann mein Kind die Verantwortung selber übernehmen und mit allfälligen Konsequenzen (evtl. mit Unterstützung) umgehen?
Falls ja, sind keine Regeln nötig.
Beispiel Teenager machen manchmal Anschaffungen, bei welchen wir nur den Kopf schütteln – Schuhe, die den nächsten Regen sicher nicht überstehen; ein Moped, das zwar billig, aber auch reparaturanfällig ist; eine Handyhülle, die zwar cool aussieht, aber das Telefon beim nächsten Sturz nicht genug schützt.

Lassen Sie Ihren Teenager die eigenen Erfahrungen mit solchen Anschaffungen machen. Springen Sie aber nicht als Geldgeber ein, wenn Ersatz angeschafft werden muss.

Beherzigen Sie das Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Die Chance von Konflikten und Grenzüberschreitungen steigt mit der Anzahl an Regeln!
Denken Sie zudem daran, dass Grenzen mit den Kindern «mitwachsen» müssen und geben Sie bei der Einhaltung von Regeln auch etwas Spielraum.
Beispiel Muss das Zimmer wirklich aufgeräumt sein? Die fehlende Ordnungsliebe von Teenagern ist bei vielen Eltern ein großes Thema.

Solange jedoch das unauffindbare Schulmaterial von den Jugendlichen selber gesucht wird und sich das Chaos nicht außerhalb des Kinderzimmers ausbreitet, könnten hier gelockerte Regeln Konflikte vermindern.

Erarbeiten Sie Abmachungen gemeinsam.
Damit ist nicht gemeint, dass Sie etwas vorschlagen, und der Teenager nickt mehr oder weniger motiviert. Fragen Sie stattdessen: «Was hast du für einen Vorschlag?». Entwickeln Sie dann gemeinsam eine Regelung. Abmachungen werden so besser eingehalten. Zudem können Sie dabei die Werte hinter Ihren Forderungen erklären. 
Beispiel Gerade wenn es um den Ausgang geht, sind Abmachungen unumgänglich.

Besprechen Sie mit Ihrem Teenager: Wann? Mit wem? Wo? Wie (Hin- und Rückweg)? Gibt es eine Rückkehrzeit, mit welcher beide Seiten leben können? Darf unter bestimmten Umständen eine Verlängerung beantragt werden?

Besprechen Sie zudem rechtliche Aspekte.

Grenzüberschreitungen – Darauf können Eltern achten

Es ist zentral, dass Eltern auf Grenzüberschreitungen reagieren. Die Eltern zeigen so: «Ich kümmere mich, du bist mir nicht egal». Nicht immer kann der Konflikt allerdings sofort gelöst werden. Manchmal müssen sich zuerst beide Seiten beruhigen, bevor eine Aussprache möglich ist. 
Beispiel Ihre Tochter kommt nicht nach Hause, obwohl die vereinbarte Zeit schon lange verstrichen ist. Auch auf dem Handy ist sie nicht erreichbar und Sie sorgen sich mehr und mehr.

Dann steht sie in der Tür. Wahrscheinlich sind Sie gleichermaßen wütend und erleichtert. Wie reagieren? Sie könnten genau dies beschreiben: «Ich bin fast umgekommen vor Sorge, zum Glück ist dir nichts passiert! Und ich bin auch fürchterlich wütend, dass du unsere Abmachung nicht eingehalten hast! Jetzt muss ich mich erst mal beruhigen – wir sprechen morgen darüber».

Besprechen Sie am nächsten Tag ruhig, aber auch nachdrücklich, wie es nun weiter gehen soll.

Manchmal reicht es aus, im gemeinsamen Gespräch dem Kind «ins Gewissen zu reden». Manchmal müssen Grenzverletzungen jedoch auch Konsequenzen nach sich ziehen. Diese sollen mit dem Regelverstoß einen Zusammenhang haben. So sind sie für das Kind nachvollziehbar und bewirken, dass es verantwortungsvolles Verhalten lernt. Konsequenzen sind im Gegensatz zu Bestrafungen nie verletzend, erniedrigend oder demütigend. 
Beispiel Ihr Sohn ist 16 und fährt angetrunken Moped. Ein leichter Sturz ist die Folge.

Im Gespräch am nächsten Tag könnten die Eltern in etwa so dazu Stellung nehmen: «Wir sind sehr froh, dass nichts Schlimmes passiert ist. Wir sind aber stinksauer, dass du in einem solchen Zustand Moped fährst. Das ist absolut gegen unsere Abmachung. Du bist zwar alt genug, um Alkohol zu trinken. Wir können aber nicht zulassen, dass du alkoholisiert durch die Gegend fährst. Lass uns schauen, wie es weiter gehen soll».

Vereinbaren Sie, dass Ihr Sohn die Reparatur selber organisiert und bezahlt. Erkunden Sie gemeinsam Lösungen, wie eine Wiederholung der Situation verhindert werden kann.

Thematisieren Sie dann auch, was passiert, sollte es wieder nicht klappen. «Nun haben wir eine Lösung gefunden, was du an der nächsten Party machen kannst. Für die Zukunft muss ich dir aber auch sagen: Solltest du noch einmal auch nur leicht angetrunken Moped fahren, werden wir dieses für vier Wochen wegsperren».

Auch sich zu entschuldigen oder Wiedergutmachung zu leisten, muss geübt werden. Fordern Sie Ihr Kind auf zu überlegen, wie Fehlverhalten wieder gut gemacht werden kann.
Beispiel Es kommt öfters vor, dass Teenager von ihren Geschwistern oder Eltern etwas ausleihen, Kleidung, Schminke, Schirme – es gibt hier manchmal (leider) fast keine Grenzen.

Geht etwas kaputt oder verloren, liegt es am Jugendlichen, sich eine Wiedergutmachung zu überlegen. Denn manchmal reicht eine Entschuldigung nicht. Allenfalls braucht es eine Gegenleistung oder der Schaden muss bezahlt werden.

Wenn Ihr Teenager ein Vergehen gesteht, werden Sie enttäuscht oder verletzt sein. Würdigen Sie aber auch seine Ehrlichkeit. Sie laufen sonst Gefahr, dass keine «Geständnisse» mehr kommen.

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