feel-ok.at - Soll ich mich outen?

Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt Artikel-Übersicht

Soll ich mich outen?

Wenn du dich fragst, ob ein Coming-Out für dich der richtige Weg sein könnte, kannst du dich mit den Vor- und Nachteilen, den unterschiedlichen Möglichkeiten oder auch Ehrfahrungsberichten von anderen auseinandersetzen. 

Einige wertvolle Informationen findest du hier:

Es gibt auch Informationsbroschüren, die sich an die Eltern homosexueller Kinder richten:

Vor- und Nachteile eines Coming-Outs

Das Coming-Out ist mit großen Vorteilen verbunden und in den meisten Fällen hat es auf lange Sicht positive Auswirkungen auf dein Leben. Dazu gehören:

  • Du musst dich nicht mehr verstecken und kannst ganz zu dir, deiner Orientierung und deinen Gefühlen stehen.
  • Du musst keine Ausreden erfinden und kannst offen und ehrlich zu den anderen sein.
  • Du triffst eher auf gleichgesinnte Menschen.

Das Coming-Out ist auch mit einigen Nachteilen verbunden, die normalerweise mit der Zeit seltener auftreten oder an Wichtigkeit verlieren:

  • Du wirst Vorurteilen begegnen und durch gewisse Reaktionen wahrscheinlich verletzt werden.
  • Deine Eltern, Geschwister und Freunde werden möglicherweise einige Zeit brauchen, bis sie mit der neuen Situation umgehen können.

Wie funktioniert ein Coming-Out

Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, sich zu outen. Der Weg zum Coming-Out kann z.B. langsam und in kleinen Schritten gegangen werden, oder schnell, von einem Tag zum anderen, geschehen. Jede Person muss für sich selbst entscheiden, wie sie es anpacken will.

Die meisten sprechen das erste Mal mit dem besten Freund/der besten Freundin oder mit einem Elternteil darüber und informieren in einem zweiten Schritt z.B. die Schulklasse oder die ganze Familie.

Wichtig für ein Coming-Out ist, dass du, bevor du nach außen trittst, deine Homosexualität bereits vor dir selber so weit akzeptiert hast, dass du auch mögliche negative Reaktionen ertragen kannst. Dann wird es dir leichter fallen, mögliche Verletzungen zu verarbeiten. Und du kannst auch selbstbewusst zu deiner sexuellen Orientierung stehen. Was auch anderen hilft, die eigene Unsicherheit zu überwinden.

Coming-Out bei Freunden

Freunde/Freundinnen sind Personen, denen du dich vermutlich am ehesten anvertrauen magst. Wahrscheinlich ist am Anfang ein Gespräch im kleinen Rahmen einfacher als in einer Gruppe von Freunden.

Beachte, dass Freunde/Freundinnen nach deinem Coming-Out vielleicht irritiert oder verwirrt reagieren.

Es ist möglich, dass sie deine sexuelle Orientierung auf sich beziehen und sich fragen, ob bei eurer Freundschaft von deiner Seite sexuelle Gedanken mit im Spiel sind oder waren. Darum kann es hilfreich sein, beim Coming-Out von Anfang an Missverständnisse vorzubeugen, indem du den betreffenden Personen erklärst, wie du zu ihnen stehst.

Coming-Out bei Eltern

Vielleicht fragst du dich, wann der richtige Zeitpunkt ist, um es den Eltern zu sagen. Vielleicht fürchtest du dich vor ihrer Reaktion.

Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht, wahrscheinlich aber Momente, die besser geeignet sind als andere. Zum Beispiel ist es nicht ratsam, Eltern zu informieren, wenn ein Streit im Gang ist oder wenn sie besonders gestresst sind. Hingegen könnte ein Moment der Ruhe und Entspannung eine gute Zeit sein, um sich zu outen.

Wenn du dich schon einem Freund/einer Freundin anvertraut hast, kannst du vielleicht mit ihm/ihr vorgängig besprechen, wie du vorgehen könntest. Und sollte es zu einem Streit kommen, kann er/sie dir beistehen.

Die Reaktion der Eltern kann ganz unterschiedlich ausfallen. Einige sind äußerst verständnisvoll, andere können es nicht fassen, sind schockiert oder werden sogar aggressiv. Manche Eltern überraschen ihre Kinder auch mit einem "das hab ich mir schon gedacht".

Wenn Eltern negativ auf das Coming-Out reagieren

Weshalb gibt es Eltern, die manchmal negativ auf ein Coming-Out reagieren?

Genauso, wie es für einige Betroffene am Anfang schwierig ist, mit der eigenen Sexualität umzugehen, ist es für die Eltern schwierig, den gleichen Prozess zu bewältigen.

Vielen Eltern fällt es schwer, Homosexualität mit ihrem Kind in Verbindung zu bringen. Durch die vielleicht für sie neue Situation werden sie gezwungen, ihre Vorstellungen und Werte zu überdenken und sich mit Homosexualität auseinanderzusetzen.

Vielleicht haben sie ein negatives Bild von Homosexuellen und sind plötzlich mit etwas konfrontiert, dem sie bisher ausgewichen sind oder das sie nur aus der Ferne beurteilt (vielleicht sogar verurteilt) haben.

Es lässt sich niemals voraussagen, wie die Eltern reagieren. Die Zeit nach dem Coming-Out, und wie sich die Beziehung zu den Eltern entwickelt, ist bei jeder Person anders.

Das sollte dich jedoch nicht davon abhalten, den entscheidenden Schritt zu tun, schließlich ist es dein Leben.

Die Ängste und Probleme der Eltern

Auch wenn Eltern eine offene Einstellung gegenüber Homosexualität haben, können sie anfänglich mit Verunsicherung reagieren. Mögliche Gründe:

  • Vielleicht haben sie Angst, dass ihr Kind von Freunden, Kollegen, Verwandten oder Unbekannten abgelehnt werden könnte.
  • Vielleicht befürchten sie, dass das eigene Kind als Erwachsene/r ein einsames Leben führen muss.
  • Vielleicht haben sie Angst vor Geschlechtskrankheiten, wie HIV/Aids, die immer noch stark mit Schwulen in Verbindung gebracht werden.
  • Vielleicht fühlen sie sich schuldig und glauben, dass sie in ihrer Erziehung etwas falsch gemacht haben.
  • Vielleicht denken sie auch an sich selbst, befürchten z.B. nie Großeltern zu werden.

Willst du deine Eltern unterstützen? Dann kann z.B. ein Buch zum Thema oder auch eine Broschüre für Eltern von gleichgeschlechtlich liebenden Kindern bestellt werden.

Broschüren:

Buchtipps findest du z.B. unter: http://www.hosiwien.at/rat-hilfe/buchtipps/fur-eltern-von-lesben-schwulen.

 
loading...