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Gedanken zur Übung: 80ster Geburtstag

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Die Übung “Ihr 80. Geburtstag” kann Ihnen dabei helfen, Ihr persönliches Wertesystem klarer zu erkennen. Dabei schauen Sie aus einer anderen Perspektive auf Ihr Leben: „Schon am Anfang das Ende in Sicht haben.“ Je mehr Sie „Ihr Leben“ leben, sich in „Ihrem Element fühlen“, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich weniger gestresst zu fühlen.

Was würde Sie an Ihrem Lebensabend zufrieden machen?

Viele ältere Menschen schauen auf Ihr Leben zurück und wünschen sich, sie hätten in Ihrem Leben manches anders getan oder andere Prioritäten gesetzt. Der Zauber dieser Übung ist, dass Sie das vorwegnehmen können. Indem Sie sich heute fragen, worauf Sie am Ende Ihres Lebens zurückblicken möchten, können Sie bereits heute die Weichen dafür stellen, Ihren Beitrag dazu zu leisten, dass diese Vorstellungen Realität werden.

Diese Übung kann helfen, persönliche Wertvorstellungen zu entdecken bzw. zu klären

Vieles von dem, das Sie gerne an Ihrem 80. Geburtstag hören würden, wird Ihnen zunächst vielleicht gar nicht wie konkrete persönliche Ziele vorkommen. Das liegt daran, dass bei vielen Menschen in dieser Übung nicht immer konkrete Ziele zu Tage kommen. Sie finden dabei viel mehr persönliche Eigenschaften, wie z.B. Ehrlichkeit, Treue oder Hilfsbereitschaft. Hierbei handelt es sich um Werte, die Ihnen persönlich wichtig sind.

Wenn wir unsere Werte kennen, fällt es uns leichter, unsere Ziele zu finden

Aus unseren Werten können sich direkt Ziele ergeben. So können Sie es sich z.B. ganz konkret zum Ziel machen, hilfsbereit zu sein, indem Sie sich vornehmen, sich in der Nachbarschaftshilfe oder in einem Verein zu engagieren. Oder Sie haben herausgefunden, dass es Ihnen wichtig wäre, in einem spezifischen Feld fachlich kompetent zu sein. Dann können Sie hieraus entsprechende Ziele ableiten, die Sie fachlich kompetent machen z.B. spezialisierte Weiterbildungen besuchen.

Unsere Ziele dürfen unseren Werten nicht widersprechen

Es kann sich als nützlich erweisen, Klarheit über persönliche Wertvorstellungen zu erlangen. So können wir verhindern, dass wir Ziele auswählen, die unseren Wertvorstellungen widersprechen. Sonst kann es passieren, dass wir uns Ziele setzen, die dem zuwiderlaufen, was uns eigentlich wichtig ist und dann sabotieren wir uns oft selbst. Deshalb sollten Sie Ihre Ziele immer auch mit Ihren Wertvorstellungen vergleichen.

Beispiel für die Übung “80. Geburtstag”Hans Späth hat bei der Übung “80. Geburtstag” folgendes aufgeschrieben (hinter dem Satz sind immer die möglichen persönlichen Werte in Klammern aufgeführt):

Mein Sohn soll über mich sagen,
-  dass ich für ihn da war (Hilfsbereitschaft oder ein guter Vater sein),
-  dass ich ihn ernst genommen habe (Respekt),
-  dass ich verständnisvoll und tolerant war (Toleranz),
-  und dass ich versucht habe, ihn zu verstehen, auch wenn es mir schwer fiel (Verständnis, Toleranz).

Mein guter Freund Karl soll über mich sagen,
-  dass es viel Spaß gemacht hat, mit mir etwas zu unternehmen (Spaß),
-  aber ich auch ernst sein konnte (Ernsthaftigkeit),
-  dass er meinen Humor und Witz schätzt (Humor),
-  dass ich für ihn da war, wenn er mich brauchte (Hilfsbereitschaft, ein guter Freund sein) und
- dass ich ein treuer und verlässlicher Freund war, auch wenn wir mal Meinungsverschiedenheiten hatten (Verlässlichkeit, Freundschaft).

Mein alter Arbeitskollege Franz sagt,
-  dass ich immer versucht habe, die Dinge in der Firma zu verbessern (Verantwortungsbewusstsein),
-  dass ich Probleme gelöst habe und nicht die Ursache für sie gewesen bin (Probleme lösen),
-  dass ich immer vermittelt habe, wenn es Streit gab (Friede, Harmonie) und
-  dass ich zuverlässig und gründlich, aber dabei nie ein Prinzipienreiter war (Zuverlässigkeit, Sorgfalt).

Der Bürgermeister meiner Stadt sagt,
-  dass ich ein verantwortungsvoller Bürger war (Verantwortungsbewusstsein),
-  dass ich mich in einem hohen Maße sozial engagiert habe (Hilfsbereitschaft) und
-  dass ich durch meine großzügigen Spenden geholfen habe, die Stadt zu einem schöneren und lebenswerteren Ort zu machen (Großzügigkeit).

Beispiel für konkrete Ziele aus dieser ÜbungHans Späth hat u.a. herausgefunden, dass er ein guter Vater sein möchte. Darauf formuliert er das Ziel, zusammen mit seinem Sohn ein gemeinsames Hobby zu suchen und sich dafür die Zeit zu nehmen. Er hat aus dieser Übung weiterhin erkannt, dass es ihm wichtig ist, sozial engagiert und hilfsbereit zu sein. Also formuliert er das Ziel, ab dem nächsten Monat ehrenamtlich zwei Stunden in der Woche in der Altenpflege zu arbeiten.

Beispiel dafür, wie persönliche Werte und Ziele sich widersprechen könnenHeike Straub hat bei der Übung “Der 80. Geburtstag” herausgefunden, dass “Familie” ein sehr wichtiger Wert für sie ist. Als Heike ihre Ziele aufschreibt, formuliert sie das Ziel, dass sie bis spätestens 35 Abteilungsleiterin in ihrer Firma ist. Sie überprüft ihr Ziel, ob es mit ihren Wertvorstellungen in Konflikt gerät und sie stellt schnell fest, dass ihr Wert “Familie” sich nicht ohne weiteres mit ihrem Karriereziel verträgt. Heike weiß nun, dass sie einen Weg finden muss, wie sie ihr Ziel mit ihrem Wunsch nach einer eigenen Familie verbinden kann. Diese Klarheit hilft ihr dabei, bessere Entscheidungen zu treffen.

Patronat
Autor/-in
Anja Fischer