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Da ist etwas Grünes in der Suppe - Kommunikationsmodelle

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Missverständnisse, Beleidigungen, Gekränktheit – täglich misslingen Kommunikationsversuche. Wie funktioniert Kommunikation? Auf welche Hinweise können wir selber als SprecherIn oder Angesprochene/r achten, um unsere Kommunikationsabläufe zu verbessern?

Grundlegendes Wissen zur Kommunikationstheorie, praxisorientiert, kurz und übersichtlich zusammengefasst: die folgenden Überlegungen sind es wert, im Unterrichtsalltag immer wieder einmal bedacht zu werden. Sie helfen uns, Kommunikationsmissverständnisse besser zu durchschauen und selbst deutlicher und zielgerichteter zu kommunizieren.

Sender-Empfänger-Modell

Um darzustellen, was vor sich geht wenn zwei Menschen kommunizieren, wird ein Modell aus der Nachrichtentechnik angewandt:

Sender-Empfänger-Modell der Kommunikation 

Folgende Schritte sind nötig, um eine Nachricht von KommunikationspartnerIn A zu B zu übertragen:

  1. KommunikationspartnerIn A hat eine Absicht.
  2. Diese Absicht wird in Worte gefasst (verschlüsselt).
  3. Er/Sie sendet sie: die Worte werden ausgesprochen.
  4. Die Nachricht wird übermittelt (Kanal: Schallwellen).
  5. KommunikationspartnerIn B empfängt die Nachricht, die Worte werden gehört.
  6. KommunikationspartnerIn B verarbeitet die Worte (entschlüsseln).
  7. B weist den Worten entsprechend seiner/ihrer Erfahrungswelt Bedeutung zu.
  8. Entsprechend dieser Bedeutung reagiert B auf A (Rückmeldung).

Nun fällt es leicht, sich vorzustellen, dass diese doch komplizierten Abläufe störanfällig sind, und durch interne Faktoren der einzelnen KommunikationspartnerInnen beeinträchtigt werden können:

  • Kommunikationsabsicht: z.B. A verfolgt (bewusst oder unbewusst) eine andere Absicht, als die, die er/sie tatsächlich formuliert; oder: A tut sich schwer, Gefühle zu formulieren...
  • Verschlüsselung: z.B. A formuliert ungenau oder unüberlegt, und verändert damit seine/ihre eigentliche Botschaft
    Sendung, Übermittlung, Empfang: z.B. Es herrscht Umgebungslärm, A spricht undeutlich oder leise, B hört schlecht...
  • Entschlüsselung: B verbindet mit den Worten eine andere Bedeutung als von A gemeint wurde; B ist nicht interessiert; B tut sich schwer, sich in andere hineinzuversetzen...

Dieses Problem hat der Verhaltensforscher Konrad Lorenz zusammengefasst:

Körpersprache – Eisberg-Modell

Nun ist es noch nicht kompliziert genug – zu diesen rein verbalen Botschaften kommt noch die Körpersprache. Deren Bedeutung wird mit einem Eisberg verglichen: Etwa 20 % unserer Kommunikation (Spitze des Eisberges) machen verbale Signale aus, 80% unserer Botschaften werden durch die Körpersprache übertragen.

Dazu gehören Gestik, Mimik, Körperhaltung und Bewegung, Blickkontakt, Proxemik (Wo im Raum stehen Sie? Wie viel Platz nehmen Sie ein?...). Mit der Körpersprache wird oft eine besondere Ausdrucksfähigkeit unserer Gefühle, Stimmungen oder Empfindungen verbunden.

Wenn diese beiden Teilbereiche – verbale und nonverbale Kommunikation – in ihren Botschaften übereinstimmen, wird von „authentischer Kommunikation“ gesprochen.

Vier Ebenen einer Botschaft

Mögliche Fehlkommunikationen werden deutlicher, wenn wir sie uns mit dem Modell anschauen, das Schulz von Thun entwickelt hat:

Vier-Ebenen-der-Kommunikation von Schulz von Thun 

Wenn ich als LehrerIn etwas äußere, bin ich auf 4-fache Weise wirksam. Jede Äußerung enthält 4 Botschaften gleichzeitig:

  • eine Sachinformation- worüber ich informiere
  • eine Selbstkundgabe- was ich von mir zu erkennen gebe
  • einen Beziehungshinweis- was ich von dir halte
  • einen Appell- was ich bei dir erreichen möchte 

Sehr häufig wird die bewusste Aufmerksamkeit bei der Entschlüsselung der Botschaft durch den/die EmpfängerIn nur auf den Sachinhalt gerichtet, während die Beziehungsbotschaft und die Selbstoffenbarung wenig beachtet werden. Was bei einer Mitteilung noch alles mitschwingt, wird vor allem durch nonverbale Botschaften übermittelt und auch empfangen. Meist gehen wir jedoch davon aus, dass der/die EmpfängerIn dieselbe Botschaft empfängt, die wir als SenderIn gemeint haben.

„Wahr ist nicht, was A sagt, sondern was B hört.“ (Paul Watzlawick)

4 Ohren – Da ist etwas Grünes in der Suppe!

Da aber der/die EmpfängerIn je nach emotionalem Zustand und Tagesverfassung die Botschaft entschlüsseln kann, wie immer sie will, kann die Verantwortung für eine gelungene Kommunikation nicht bei dem/der SenderIn allein liegen. Nicht zuletzt entscheidet auch der/die EmpfängerIn, wie Botschaften entschlüsselt werden.

Ein Beispiel dazu: 

Mann und Frau sitzen beim Abendessen und essen Suppe. Auf der Suppe schwimmt Schnittlauch.

Der Mann (Sender) sagt: „Da ist etwas Grünes in der Suppe!“

  • Sachebene: Ich sehe etwas Grünes.
  • Selbstoffenbarung: Ich weiß nicht was es ist.
  • Beziehung: Du weißt es bestimmt.
  • Appell: Sag mir bitte, was es ist!

Die Frau (Empfängerin) hört: „Da ist etwas Grünes in der Suppe!“

  • Sachebene: Er sieht etwas Grünes.
  • Selbstoffenbarung: Ihm schmeckt das Essen nicht.
  • Beziehung: Er hält mich für eine schlechte Köchin.
  • Appell: Ich soll nur kochen, was er mag.

Die Frau antwortet also: „Wenn es dir nicht schmeckt, kannst du ja selber kochen.“

Daher: Sowohl SenderIn als auch EmpfängerIn sind für eine erfolgreiche Kommunikation verantwortlich!