Kommunikation nach allen Seiten

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Psycho... wer? - Wege ins Gespräch

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PsychotherapeutInnen, PsychologInnen, Erziehungshilfe, Sozialarbeit,... LehrerInnen bewegen sich in einem Netzwerk von helfenden/ pädagogischen Berufen. Wie unterscheiden sie sich voneinander, und wie können Kommunikation und Austausch für alle Seiten fruchtbringend und erfolgreich werden?

Schnittstellenkommunikation beschreibt – wie der Name schon sagt – Kommunikation an den Schnittstellen, an denen verschiedene Fachgebiete und Zuständigkeiten aneinander grenzen. Das können sowohl schulinterne bzw. systeminterne Schnittstellen LehrerIn – DirektorIn, SchulsozialarbeiterIn, SchulpsychologIn, FachlehrerIn, BegleitlehrerIn, BeratungslehrerIn, BezirksschulinspektorIn, Landesschulrat, ... sein als auch schulexterne Schnittstellen LehrerIn – ErziehungshelferIn, PsychologIn, PsychotherapeutIn, PsychiaterIn, ErziehungshelferIn, SozialarbeiterIn, Polizei, .... Sie bewegen sich als LehrerIn nicht nur an einzelnen Schnittstellen, sondern sind Teil eines  Netzwerkes. Zu diesem Netzwerk gehören in weiterer Folge auch Eltern und Erziehungsberechtigte.

Jede dieser Schnittstellen bietet Potential für Missverständnisse, Konflikte, gegenseitiges Unverständnis, alleine schon bedingt durch unterschiedliche berufliche Ziele, verschiedene Fachsprachen und divergierende Handlungsaufträge.

Mögliche externe Schnittstellen (Beschreibung der Berufsfelder nur in aller Kürze):

  • Psychotherapie: Behandlung von „seelischer“ Problemen mit „seelischen“ Methoden, z.B. Gespräch, Aufstellungsarbeit, Theater, Körperarbeit...; gesetzlich festgelegte Ausbildung in verschiedenen Therapierichtungen.
  • Psychiatrie: Medizinische Ausbildung als Facharzt/ärztin für Psychiatrie. Körperliche Diagnose und Behandlung psychisch kranker Menschen, medikamentöse Behandlung.
  • Psychologie: Wissenschaft vom Erleben, Empfinden und Verhalten des Menschen, Ausbildung mittels Universitätsstudium. Zusatzfortbildung: Klinische Psychologie, die sich mit der Diagnostik und Behandlung psychischer Krankheiten befasst.
  • Soziale Arbeit: Arbeitsfeld, dass sich praxisorientiert mit sozialem Wandel, sozialer Entwicklung und sozialem Zusammenhalt befasst. Verschiedene Berufsgruppen: behördliche Sozialarbeit („SozialarbeiterIn“, Amt für Jugend und Familie, zuständig für die Zuteilung von sozialen Hilfen für Kinder und Familien, Finanzierung und Kontrolle), Sozialpädagogik (Unterstützung von Kindern/ Jugendlichen/Familien in schwierigen Lebenslagen, Hilfe und Begleitung bei der Alltagsbewältigung; z.B. ErziehungshelferIn , WG-BetreuerIn, Streetwork, Jugendzentrum, etc...).
  • Polizei: Nicht zu viel Angst vor „der Polizei“! Regelmässige Kontaktpflege zur örtlichen Polizeidienststelle (z.B. organisieren eines Verkehrsinfo-Tages für Schulklassen...) erleichtern die Zusammenarbeit im tatsächlichen Problemfall. Sie haben auch als LehrerIn die Möglichkeit, die Polizei zu rufen, falls Sie sich z.B. bedroht fühlen, oder eine Situation (Gewalt, Übergriffe, Messer...) nicht mehr unter Kontrolle ist! Dies kann für Sie eine Unterstützung darstellen, lassen Sie sich nicht verunsichern.
  • Journalismus & Medien: Immer wieder Thema ist die Befürchtung, was ist wenn was zu gewissen Vorfällen in der Zeitung steht. JournalistInnen sind auf der Suche nach Geschichten, Sie als LehrerIn unterliegen dem Auskunftsverbot. JournalistInnen suchen sich also Ihre Infos anderswo, das Ende von der Geschichte ist oft, dass die Schule ihre Sicht der Dinge ungenügend/ unvorteilhaft dargestellt sieht. Pflegen Sie gute Kontakte, verweisen Sie an eine auskunftsberechtigte Person (DirektorIn? Bezirksschulrat?...) und erklären Sie freundlich, warum Sie gerne Auskunft geben würden, aber nicht dürfen.

FallbeispielRaphael, (14 Jahre) ist ein intelligenter Schüler, der jedoch immer wieder zu Gewaltausbrüchen neigt. Es steht auch der Verdacht im Raum, dass er Drogen gebraucht bzw. in der Schule verteilt. Der Klassenvorständin wird seitens der Direktorin erklärt, er habe „eh einen Sozialarbeiter“, dieser sei zuständig und kümmere sich um alles. Schließlich kommt es in einer Pause zum bisher heftigsten Übergriff: Raphael packt einen Mitschüler beim Hals und würgt diesen. In weiterer Folge wird eine Helferkonferenz einberufen, anwesend sind: Direktorin, Bezirksschulinspektor, Klassenlehrerin, Beratungslehrer, sowie ein junger Mann, der sich als Erziehungshelfer vorstellt. Wie sich herausstellt, ist er nicht der zuständige Sozialarbeiter des Burschen, sondern kümmert sich für 2 Stunden pro Woche um Raphaels Freizeitgestaltung. Als die zuständige behördliche Sozialarbeiterin zu einem späteren Zeitpunkt von den Vorgängen in der Schule erfährt, reagiert sie mit Unverständnis und spielt den Vorfall bzw. die Sorgen der Schule hinunter. In weiterer Folge ist die Situation so, dass sich die Mitglieder des Schulsystems von der Sozialarbeiterin im Stich gelassen fühlen, da sie aus ihrer Sicht auf die Vorfälle nicht reagiert und ihre Sorgen und Beobachtungen nicht ernst nimmt. Schließlich geht das Schuljahr zu Ende, und der Schüler wechselt die Schule. Die Situation endet eigentlich unbefriedigend und unreflektiert. Dies stellt eine erschwerte Ausgangsbasis für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendwohlfahrt dar.

Handlungsspielräume & Strategien

Wie das obige Fallbeispiel zeigt, ist es in einem komplexen Umfeld besonders wichtig, die einzelnen Schnittstellen „zu bedienen“. Sie können sich dazu folgende Fragen stellen:

  • Welche Schnittstellen sind für Sie in Ihrem Schulumfeld relevant – intern und extern?
  • Wie lief bisher die Kommunikation, was würden Sie sich wünschen, was denken Sie wünscht sich das Gegenüber von Ihnen?
  • Was können Sie beitragen, um diese Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen?
  • Überlegen Sie sich bereits im Vorfeld Strategien für besonders „schwierige“ Schnittstellengespräche (Was ist meine Botschaft? Was möchte ich in Erfahrung bringen? Was möchte ich erreichen?...) Lesen Sie hier nach!
     

In folgenden Bereichen treten in der Praxis häufig Schwierigkeiten auf – hier sollten Sie genau hinschauen:

  • Schulinterne und externe Instanzen: Wer ist für welche Themen zuständig? Bei manchen wichtigen Gesprächen sind Sie nicht selber anwesend, sondern werden durch Ihre/n DirektorIn, BeratungslehrerIn, BezirksschulinspektorIn... vertreten. (siehe auch Kapitel Amtswege und Fettnäpfchen).
  • Guter interner Kommunikationsfluss (informeller Austausch in der Pause im Konferenzzimmer macht sicherlich den Haupt-Informationsfluss aus, kann aber für wichtige Themen, schwierige Situationen nicht ausreichen: vereinbaren Sie gezielt Gespräche mit KollegInnen und DirektorIn.)
  • externer Kommunikationsfluss: Wer ist eine „Infodrehscheibe“, wann sind Treffen geplant, ist die Kommunikation zu bestimmten Themen eine Hol- oder Bringschuld?
  • Bei Gesprächen zwischen Angehörigen verschiedener Professionen: Seien Sie sich nicht zu schade, nachzufragen! Erläutern Sie auch Fachbegriffe aus Ihrem Bereich, schildern Sie Ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken, anstatt verbal „in den Angriff“ zu gehen (Bsp.: Anstatt „Also bei mir macht er das nicht, da muss man sich halt durchsetzen“ oder „Das gibt es nicht, dass er bei dir so ruhig ist, bei mir ist er immer...“ besser: „Ich erlebe ihn als sehr..., wie ist das bei dir?“)
     

Für eine gelungene Schnittstellenkommunikation: Überlegen Sie, welches Ziel Sie gemeinsam mit dem Gegenüber verfolgen (Verbesserung der Situation, Entwicklungsschritte des/der SchülerIn...) und wie Sie es gemeinsam erreichen können, bzw. was jede/r in seinem/ihrem Bereich beitragen kann, und wer wofür zuständig ist.