Perspektiven im Krisenfall

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Zusätzliche Dokumentation – wann und wofür?

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In manchen Situationen ist weitere Dokumentation zusätzlich zum Klassenbuch angebracht – als Unterstützung und Absicherung für SchülerInnen und LehrerInnen.

In schwierigen schulischen Situationen – Gewaltvorkommnisse, Verhaltensauffälligkeiten, Mobbing... - sind die Gedanken und Aktivitäten der Beteiligten auf das „Tun“ konzentriert: Wie sollen wir in dieser Situation handeln, wer muss informiert werden, wo können wir uns Unterstützung holen? Schnittstellenkommunikation spielt dabei auch eine relevante Rolle.

Parallel dazu ist es jedoch sehr wichtig – und darauf wird häufig vergessen – eine zielgerichtete, aussagekräftige Dokumentation der Geschehnisse anzufertigen, die über die üblichen Klassenbucheinträge bzw. die inhaltliche Dokumentation des durchgenommenen Stoffes hinausgeht. Sie dient dazu, „außergewöhnliche“ Vorfälle sowie den Umgang damit zu notieren, zu katalogisieren und aus zukünftiger Perspektive nachvollziehbar zu machen. Dies kommt sowohl dem/ der handelnden Person (Lehrperson), als auch dem/ der SchülerIn zugute.

Grundlegendes

Zusatzdokumentation sollte ein gemeinsamer Beschluss sein (KlassenlehrerIn – Kollegium – Direktion), kann jedoch im Anlassfall (persönliche Absicherung) auch individuell erfolgen.

Die wichtigsten zu beanwortenden Fragen:

  • Wer? – Was? – Wann? – Wo? – Welche Konsequenz wurde gesetzt?
  • Beziehen sich die Geschehnisse auf Individual- oder Gruppenebene? Welcher Personenkreis ist betroffen?
  • Wer hat das Problem, wer leidet unter der Situation: der/ die VerursacherIn, das SchülerInnenumfeld, das Lehrpersonal?

Dokumentation sollte neutral formuliert sein, frei von persönlichen Emotionen, sowie unparteiisch: Anstatt „Heute hat P. schon wieder nicht gefolgt, als ich ihm eine Sitzpause verordnet habe, ich weiß nicht mehr was ich noch tun soll.“ lieber: „Mo, 23.5.2016, wiederholte Aufforderung auf dem Platz zu bleiben wurde von P. (Klasse 2a) nicht beachtet. Sitzpause verordnet, diese ebenfalls nicht eingehalten. Klassenlehrerin Frau M.“
Falls Sie in der Anfertigung von Protokollen/ Berichten nicht so erfahren sind: wenden Sie sich an eine/n KollegenIn, die in diesem Bereich bereits Erfahrung hat, und lassen Sie sie Ihren Bericht durchlesen bzw. bitten Sie um Feedback. 

Dokumentationsformen

Grundsätzlich ist bei Vorkommnissen im Unterricht das Mittel der Wahl die Klassenbucheintragung. Diese wird in manchen Schulen bereits digital ausgeführt („Digitales Klassenbuch“), was laut Erfahrungsberichten die „Eintragungsdisziplin“ der LehrerInnen erhöht.

Bei wiederholt vorkommenden Auffälligkeiten kann es jedoch sinnvoll sein, entweder gemeinsam oder aber auf individuellen Beschluss eine Zusatzdokumentation anzufertigen. Bewährt hat sich hier z.B. ein dünnes Beiheft, das dem Klassenbuch beiliegt, und mit entsprechenden Spalten versehen wird: Datum, Beteiligte, Beschreibung des Vorfalles, Konsequenz, VerfasserIn. Auf Basis dieser Informationen können (möglicherweise zukünftig notwendige) weiterführende Berichte angefertigt werden. Weiters ist es empfehlenswert, Kurzprotokolle über erfolgte Gespräche anzufertigen (Schulkonferenz, Helfer/innenkonferenz, Elterngespräch...), und diese von den Beteiligten mittels Unterschrift betätigen zu lassen.

Zusätzliche Dokumentation bildet die Grundlage für:

  • Erörterung eines möglichen SPF (Sonderpädagogischen Förderbedarf): Im Rahmen des Ansuchens sind Berichte etc. notwendig – Zusatzdokumentation bietet hier bereits eine Grundlage. 
  • Austausch/ Unterstützung durch schulinterne Beratungssysteme (Schulpsychologie, BeratungslehrerInnen...)
  • Austausch/ Kooperation mit außerschulischen Unterstützungsfeldern (Sozialarbeit, Erziehungshilfe, Lernbetreuung)
  • Offizielle Meldung außerhalb des Schulsystemes wird notwendig (Jugendamt, Polizei)
  • Überblick und Absicherung bei außergewöhnlichen Vorfällen: Übergriffe, Gewalt, Mobbing, psychische Krisen, ...