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Teamteaching -„The Power of two or more!“

Quelle: contrastwerkstatt / Fotolia

Was wir alleine nicht schaffen- das schaffen wir dann gemeinsam! Teamteaching kostet Zeit in der Vorbereitung, bündelt jedoch Synergien und verschafft allen Beteiligten mehr Handlungsspielraum.

"Teamteaching ist eine kooperative Lehrmethode, bei der zwei oder auch mehr Personen gemeinsam eine Lerngruppe unterrichten. Die Methode sollte idealtypisch sowohl das Lehrerteam als auch die Lernenden mit einbeziehen. Sie ist besonders geeignet, um den Unterricht mit mehr Perspektivenvielfalt, größerer Methodenvielfalt und unterschiedlichen Anregungen zu erweitern, da sie die Fixierung auf einen Lehrenden verhindert. Sofern diese Stärken bewusst eingesetzt werden, kann die Methode das Lernen und Lehren mit größerer Offenheit und mit mehr Differenzierungsmöglichkeiten fördern.

Für Lehrende bietet Team Teaching die Möglichkeit, den Unterricht gemeinsam mit anderen zu planen und zu gestalten. Dabei können die unterschiedlichen didaktischen Erfahrungen den Nährboden für ein vielfältiges und lernzentriertes methodisches Vorgehen bilden. Zugleich wird der einzelne Lehrende durch die Zusammenarbeit entlastet, aber auch stärker in seinen didaktischen Gewohnheiten und Verhaltensweisen kollegial supervidiert."

Teamteaching beginnt vor allem mit einer offenen und wertschätzenden Haltung und der Bereitschaft zur Kooperation, nicht nur hinsichtlich planerischer Tätigkeiten, sondern vielmehr auch hinsichtlich sozial-emotionaler Dimensionen.

Die Vorteile der Arbeit im Team ist die gemeinsame Verantwortung für die sechs grundlegenden Dimensionen unterrichtenden Handelns zu tragen, sowie die zehn Gütemerkmale guten Unterrichts nach Meyer (2004) umzusetzen:

Teamteaching und die 6 Dimensionen der gemeinsamen Verantwortung 

Folgende Momente sind bezeichnend für das Teamteaching hinsichtlich der Lernprozesse:

  • Kontinuierliche und regelmäßige Zusammenarbeit über einen längeren Zeitraum  
  • Freiwilliges Einbringen der Ressourcen aller Beteiligter
  • Offene Kommunikation auf der Beziehungsebene
  • Lösungsorientiertes Konfliktmanagement
  • Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Gleichberechtigung aller Beteiligten
  • Ein Setting in dem gemeinsam und differenzierend in Lernprozessen agiert werden kann
  • Evaluation von Teamergebnissen
  • Bereitschaft zu Supervision und Coaching

Methodische Möglichkeiten zur Gestaltung der Zusammenarbeit im Klassenraum nach Lütje-Klose/ Willenbring (1999):

  1. "LehrerIn und BeobachterIn ("one teach, one observe"): Ein/e PädagogIn übernimmt die primäre Unterrichtsverantwortung, während die/der andere beobachtet.
  2. LehrerIn und HelferIn ("one teach, one drift"): Eine/r der beiden Lehrkräfte übernimmt die primäre Unterrichtsverantwortung, die andere unterstützt SchülerInnen bei ihrer Arbeit, bei der Regulation ihres Verhaltens, bei der Verwirklichung ihrer kommunikativen Absichten usw.
  3. Stationsunterricht ("station teaching"): Der Unterrichtsinhalt wird in zwei Bereiche aufgeteilt. Es werden Gruppen gebildet, die von einer Person zur nächsten wechseln, so dass alle SchülerInnen nacheinander von beiden Lehrkräften unterrichtet werden.
  4. Parallelunterricht ("parallel teaching"): Jede/r LehrerIn unterrichtet eine Klassenhälfte, beide beziehen sich auf dieselben Inhalte.
  5. Niveaudifferenzierter Unterricht ("remedial teaching"): Ein/e LehrerIn unterrichtet die Gruppe von SchülerInnen, die den Unterrichtsstoff bewältigen können, die andere arbeitet mit denjenigen, die auf anderem Niveau operieren.
  6. Zusatzunterricht ("supplemaental teaching"): Ein/e LehrerIn führt die Unterrichtsstunde durch; die andere bietet zusätzliches Material und differenzierte Hilfen für diejenigen SchülerInnen an, die den Stoff nicht bewältigen können.
  7. "Teamteaching ": Zwei PädagogInnen führen den Unterricht mit allen SchülerInnen gemeinsam durch, indem sie gemeinsam oder abwechselnd die Führung übernehmen.

Beobachtungskultur

  • Beobachten, Protokollieren, Beschreiben von Verhalten und Situationen führt zu Daten, die regelmäßig miteinander ausgetauscht, besprochen und ausgewertet werden.
  • Das Beurteilen, Einschätzen, Bewerten solcher Daten und Situationen setzt immer eine gemeinsame Reflexion über Sinn und Reichweite des Vorgangs voraus. Dabei sollte man sich durch Einordnen, Vergleichen, Deuten, Interpretieren nicht unbedingt immer auf eine Sicht einigen, sondern auch zugestehen, dass es mehrere Sichtweisen über eine Situation geben kann und wird.
  • Beschreibungen von Situationen und Sachverhalten gelingen nie nur aus der Situation oder dem spezifischen Sachverhalt heraus, sondern benötigen einen Vergleich zu anderen Situationen und Sachverhalten, um präzisiert zu werden und einen Möglichkeitsraum von Veränderung zu erkennen.
  • Team Teaching sollte nicht bedeuten, dass ein Expertenteam über TeilnehmerInnen einseitig eine Meinung bildet und Entscheidungen findet, sondern umgekehrt immer auch die TeilnehmerInnen an den Beobachtungen und Reflexionen über Beobachtungen und Lösungen partizipieren lässt

Checkliste: Klärung schafft Klarheit

Team & Partnerschaft

  • Erfahrung mit Teamteaching?
  • Was weiß ich über meinen Lehrstil?
  • Stärken? Schwächen?
  • Vorlieben, Präferenzen?
  • Ergänzungsmöglichkeiten, Synergien?
  • Wie sollen die Schülerinnen und Schüler uns wahrnehmen?
  • Welche Aspekte des Unterrichts wollen wir teilen?
  • Gemeinsam gestalten?
  • Wie und wann nehmen wir uns Zeit, den Unterricht zu planen?
  • Wer ist für was verantwortlich?
  • Arbeitsplatz, Ablageflächen, Kommunikation?
  • Medien Bücher, Kleinkram (deins/meins/unsers?
  • Woran erkennen wir Erfolg?

Wünsche/Werte

  • Lärmtoleranz?
  • Sprache?
  • Wie ist die soziale Interaktion zwischen uns?
  • Mit den Lernenden?
  • Humor oder Drama (zwischen uns)?
  • Spontanität, nach Hilfe fragen?
  • Gegenseitige Unterstützung?

Praxis

  • Persönliche Präferenzen und Anliegen im Fach?
  • Fachdidaktische Verständnisse und Annahmen (Lehrplan/Kompetenzmodell/Lerndesign)? Wie werden wir Fortschritt dokumentieren?
  • Wie wird beurteilt?

Klassenführung

  • Interaktion mit Schülerinnen und Schülern?
  • Pädagogische Beziehung mit den Schülerinnen und Schülern?
  • Spielregeln im Unterricht?
  • Disziplin?
  • Was ist zu fördern, was sind No-Gos? Rituale?
  • Bewegungsfreiheit der Lernenden im Klassenzimmer?
  • Management von unterschiedlichen Gruppierungen und Aufgaben?

Lern- und Lehrkultur

  • Feedback?
  • Demokratie?
  • Mitspracherechte der Lernenden?
  • Vielfalt?
  • Sinn und Zweck des Unterrichts?
  • Erwartungen an uns und voneinander, von der Schule, vom Kollegium, von der Schulleitung, von den Eltern ? von den Schülerinnen und Schülern?