Sexuelle Gewalt

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Übergriffe verarbeiten

Eine Frau schreibt: Warum?

Übergriffe lassen sich meistens erfolgreich verarbeiten. Doch manchmal gerät das Leben für längere Zeit aus dem Gleichgewicht. Dann können Fachpersonen helfen.

Wenn du dich durch ein Erlebnis verletzt fühlst, wirst du oft daran denken. Du wirst es in deiner Fantasie immer wieder durchspielen. Dabei wirst du überlegen, was dir angetan wurde, wie du reagiert hast und wie du gern reagiert hättest. So bildest du dir deine eigene Meinung.

Du ordnest das Erlebte in deine Lebenserfahrung ein. Dabei können Gespräche mit anderen dir helfen, unabhängig davon, ob der Übergriff vor kurzer oder langer Zeit stattgefunden hat. So eine Verarbeitung kann wenige Tage dauern und manchmal auch mehrere Jahre. Viele Menschen fühlen sich danach gestärkt und lebenserfahrener.

Es kann aber sein, dass dein Leben nach Übergriffserlebnissen für längere Zeit aus dem Gleichgewicht kommt,Wenn du etwas erlebt hast, womit du nicht fertig wirst, versuchst du vielleicht jede Erinnerung an das Ereignis von dir fern zu halten. Trotzdem plagen dich ständig Gedanken daran. Vielleicht kommen auch Bilder des Geschehenen hoch, und du erlebst die gleichen Gefühle wie damals. Auch während der Nacht findest du vielleicht keine Ruhe, weil du davon träumst.

Es kann sein, dass du gereizt bist und dich nicht mehr konzentrieren kannst, schlecht schläfst und sehr schreckhaft bist. Möglicherweise ziehst du dich zurück und steigst innerlich aus. Es macht dir nichts mehr so richtig Spaß, und du denkst auch nicht gern an die Zukunft. Es geht dir schlecht.
oder dass du dich anders oder komisch verhältst. Manche fangen nach sexuellen Übergriffen an, sich mit Alkohol oder Drogen zu beruhigen. Andere essen äußerst kontrolliert - oder sie verlieren die Kontrolle beim Essen. Manche halten sich zwanghaft an Regeln fest. Andere verletzen sich selbst.

All diese Verhaltensweisen sind Notprogramme, die dir helfen, in dieser belastenden Situation mit schlimmen Gedanken, schlechten Gefühlen und großer innerer Spannung umzugehen. Du kannst dich mit diesen Notprogrammen beruhigen, so dass du zeitweise dein Leben wieder unter Kontrolle hast. Ein Notprogramm ist aber nur für Notsituationen geeignet. Im normalen Leben behindert es. Irgendwann braucht man es nicht mehr. Doch weil es zur Gewohnheit geworden ist, kommt man nicht so leicht davon weg.
Dann ist es besonders wichtig, wenn du dich an eine Fachperson wendest, damit sie dir helfen kann, wieder auf die Beine zu kommen, wieder normal zu funktionieren und wieder Spaß am Leben zu bekommen.

Patronat
Quelle/n
Traumatherapie bei Kindern und Jugendlichen (Landolt & Hansel, 2007)
Autor/-in
Annette Bischof-Campbell
Ingrid Hülsmann