Mama oder Papa trinkt zu viel Alkohol

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Meine Gefühle

Der problematische Konsum eines Elternteils kann schwierige wie auch widersprüchliche Gefühle auslösen. 

Man will dem anderen helfen, gleichzeitig belastet die Situation einen selbst. Wenn es einer nahestehenden Person schlecht geht, und diese sich selbst Schaden zufügt, sei es durch Konsum von Substanzen oder auf eine andere Weise, ist es verständlich, dass man ihr helfen möchte. Aus Liebe und Sorge tut man einiges. Manchmal vergisst man sich dabei selbst.

Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Du bist nicht schuld daran, dass dein Vater oder deine Mutter alkoholabhängig ist. Du bist nicht für deine Eltern verantwortlich. Und du bist nicht der Grund, weshalb sie trinken. Vielleicht ist es schon vorgekommen, dass sie versucht haben, ihre Verantwortung auf dich abzuwälzen. Vielleicht haben sie Dinge gesagt wie «Wenn du dich besser benehmen würdest, würde ich auch nicht so viel trinken» oder «Wenn du dich in der Schule mehr anstrengen würdest, müsste ich mir nicht so viele Sorgen machen und müsste nicht mehr trinken». Letztendlich denken sie das selber auch nicht. Es ist die Wirkung des Alkohols, die dazu führen kann, dass man Dinge sagt, die man im nüchternen Zustand nie sagen würde. Auch wenn du zuhause solche Sätze zu hören bekommst: Vergiss nicht, dass du nicht schuld bist. Dein Vater oder deine Mutter sind selbst für ihr Handeln verantwortlich. Höre auf deine Gefühle und hab Vertrauen in dich!

Du würdest deinem Vater oder deiner Mutter so gerne helfen… Vielleicht hast du schon viel unternommen, aber es ändert sich nichts. Vielleicht fühlst du dich ohnmächtig. Auch wenn es schwierig ist: Du musst akzeptieren, dass du deine Mutter oder deinen Vater nicht gesund machen kannst. Nur sie oder er selbst kann den Schritt zu einer Veränderung tun. Nur sie oder er kann entscheiden, sich helfen zu lassen. Es mag dir seltsam erscheinen, aber das einzige, was du für deine Eltern tun kannst, ist für dich selbst Sorge zu tragen und dein Leben zu leben. Und das ist sehr viel!

Es ist verständlich, dass du dir um deinen Vater oder deine Mutter Sorgen machst. Vielleicht hast du Angst, wenn er oder sie am Abend nicht nach Hause kommt. Oder du fürchtest dich vor Auseinandersetzungen oder Gewalt. Diese Gefühle können dich sehr stark beschäftigen und es ist wichtig, dass du mit jemandem darüber sprechen kannst. Zum Beispiel mit deinem nicht alkoholkranken Elternteil, deinen Freunden und Freundinnen, oder einer erwachsenen Vertrauensperson. Sorgen um die Eltern sind eine große Belastung. Du solltest damit nicht alleine bleiben.

Es ist schwierig, jemandem zu vertrauen, der einen wiederholt enttäuscht hat. Oft sind alkoholkranke Menschen nicht zuverlässig, weil sie vom Alkohol «gesteuert» werden. Es kann beispielsweise vorkommen, dass dir deine Mutter oder dein Vater am Morgen verspricht, nach der Schule mit dir ins Kino zu gehen und am gleichen Abend hat sie oder er es wieder vergessen oder ist zu betrunken, um noch auszugehen. Vielleicht wurde dein Geburtstag auch schon vergessen? Diese Unzuverlässigkeit gehört zur Krankheit dazu. Viele Kinder alkoholabhängiger Eltern erzählen, dass sie solche Enttäuschungen erleben, die leider sehr wehtun. Es ist wichtig, dass du verstehst, dass dieses Verhalten nichts mit der Liebe für dich zu tun hat, sondern mit der Alkoholabhängigkeit.

Vielleicht dreht sich bei deinem Vater oder deiner Mutter so viel um den Alkohol, dass du dich vernachlässigt fühlst. Vielen Jugendlichen in deiner Situation ergeht es so. Auch wenn dir deine Eltern nicht viel Zeit und Aufmerksamkeit schenken, musst du wissen, dass das nicht an dir, sondern an der Alkoholabhängigkeit liegt. Vielleicht fühlst du dich auch einsam, weil du mit deinen Gefühlen alleine bist. Vielleicht hast du Angst, dich jemandem anzuvertrauen. Es ist aber sehr wichtig, dass du Personen findest, denen du ausreichend vertraust, um zu erzählen, was du erlebst (z.B. Großeltern, Freund:in, Mutter einer Freund:in). Du musst dich nicht schämen und es ist auch kein Vertrauensbruch. Denn du hast das Recht, mit jemandem zu sprechen, damit es dir besser geht.

Vielleicht schämst du dich für deinen Vater oder deine Mutter und traust dich nicht, Freund:innen zu dir nach Hause einzuladen. Vielleicht traust du dich auch deswegen nicht, mit jemandem über deine Situation zu sprechen. Wusstest du, dass ganz viele Jugendliche das Gleiche wie du erleben? In Österreich gibt es Tausende von Kindern, deren Eltern alkoholabhängig sind. Du musst dich nicht schämen. Du kannst schließlich rein gar nichts für diese Situation! Oft tut es gut, wenn man mit jemandem über das, was man erlebt, spricht.

Gefühle für eine Mutter oder einen Vater mit einer Alkoholabhängigkeit sind oft verwirrend. Man liebt die Eltern und gleichzeitig hasst man ihre Alkoholkrankheit. Es ist verständlich, Gedanken zu haben wie: «Ich hasse meinen Vater». Wahrscheinlich ist es aber die Krankheit, die du hasst und nicht deinen Vater. Vielleicht könnte man sagen, dass du ihn liebst, aber es hasst, wenn er getrunken hat.

Du darfst wütend sein. Du solltest es einfacher haben dürfen! Vielleicht bist du wütend auf deinen Vater, weil er zu viel trinkt und damit dein Leben ruiniert. Oder du bist wütend auf deine Mutter, weil du den Eindruck hast, dass sie nichts unternimmt, damit sich die Situation ändert! Kannst du mit einer anderen Person über deine Wut reden? Oder kannst du diese Wut irgendwo festhalten, beispielsweise aufschreiben? Du musst deine Wut rauslassen können, ohne dass sie sich zu stark gegen dich oder andere richtet.

Heute kann dein Vater sagen, dass du super gut Fußball spielst und morgen kann er vielleicht sagen, dass du zu nichts taugst. Oder deine Mutter sagt dir, wie beeindruckt sie ist, dass du so gute Noten hast. Und am nächsten Tag wirft sie dir an den Kopf, dass du total dumm bist. Was sollst du nun glauben? Solche widersprüchlichen Bemerkungen können sehr verstören. Aber es ist wichtig, dass du nicht an dir zweifelst. Solche Widersprüche haben mit dem Alkohol zu tun und nichts mit dir!

Vielleicht vernachlässigt dein Vater oder deine Mutter wegen der Alkoholkrankheit manchmal seine oder ihre Aufgaben in der Familie. Vielleicht übernimmst du an seiner oder ihrer Stelle die Verantwortung: Essen machen, Wäsche waschen, die Geschwister ins Bett bringen. Du bist noch jung und es ist nicht deine Aufgabe, dies zu tun und gleichzeitig fühlst du dich verantwortlich. Es ist aber wichtig, dass du Zeit für dich hast. Wenn es dir zu viel wird, sprich unbedingt mit einer erwachsenen Vertrauensperson darüber, bevor alles aus dem Ruder läuft. Es können Lösungen gefunden werden.

Manchmal sagst du dir «Ich möchte einfach verschwinden. Ich will von zu Hause abhauen. Ich kann nicht mehr!». In deiner Situation ist es verständlich, solche Gedanken zu haben und es wird dir gut tun, mit einer anderen Person, die du gern hast, darüber zu reden. Und wenn du nicht mit einer befreundeten Person darüber reden magst, kannst du dich an andere Stellen wenden. Die Telefonnummer 147 (Rat auf Draht) ist beispielsweise für dich da, um dir zuzuhören und dir Tipps zu geben, damit es dir besser geht.

Stand: Dezember 2021

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