Persönlichkeit und Entwicklung

Inhalt

Ich finde Zustimmung so wie ich bin

Quelle: wildworx / Fotolia

Menschen, die Zustimmung und Wertschätzung erfahren, erleben Bestätigung für ihr Sein. Und dies ist die Basis für Weiterentwicklung.

LehrerInnen kennen SchülerInnen, die zu Übertreibungen neigen aus ihrem täglichen Arbeitsalltag. Jugendliche und Erwachsene die Feedback in einer Konsequenz einfordern, dass es anstrengend und fast lästig wird. Es ist eine Form des Einforderns von Bestätigung und Anerkennung, die treffend auch als „Klammern“ bezeichnet werden kann.

Neben dieser aktiven Form das Beziehungsbedürfnis nach Vergewisserung einzufordern, erleben wir auch die passive Variante. Kinder, die resignieren und sich emotional nicht mehr einbringen. Somit allein ihren (Schul-)Alltag gestalten und auf niemanden angewiesen sein wollen.

Fallbeispiel: Markus, 10 Jahre1. Klasse NMS mit 14 Mädchen und 9 Burschen. Die Klasse ist seit Beginn in gleicher Zusammensetzung. Der Klassenvorständin fällt zu Weihnachten auf, dass Markus, der zu Schulbeginn durchaus integriert war, immer mehr zum Außenseiter wird. Das zeigt sich unter anderem darin, dass er im Pausenhof allein steht, im Turnunterricht zum Schluss ausgewählt wird…In einer Klassenkonferenz wird das Verhalten der Klasse zum Thema gemacht. Dabei wird sichtbar, dass Markus seine MitschülerInnen laufend verbessert. Er spricht Schriftsprache, da dies seinen Eltern sehr wichtig ist. Markus versucht sich, auf eine für seine MitschülerInnen lästige Art einzubringen und ausschließlich auf seinen Ansichten, seinen Ideen, seinen Beiträgen zu bestehen.

Das Team der KollegInnen arbeitet in einer Supervision mit diesem Thema und  entscheidet sich für folgenden Zugang:

Beziehungsbedürfnis nach Vergewisserung:

  • Wir Menschen wollen, dass wir Beziehungen erleben, die Bestand haben und in denen man uns auch sagt, dass man uns mag.
  • Wir wollen wechselseitig Anteil nehmen und Anteil geben.
  • Feedback kommt entscheidende Bedeutung zu, damit ich weiß, wie andere mich sehen
  • Wir haben ein Recht, Fehler zu machen, ohne Verurteilung zu erleben.

Schritte, um mit dem Bedürfnis von Markus umzugehen:

  • Markus braucht Bestätigung, dass er als Mensch anerkannt und wertgeschätzt wird.
  • Es wird klar, dass die LehrerInnen für Markus verlässlich und gut einschätzbar sein müssen.
  • Markus wird Anerkennung dafür gezeigt, in welcher Weise er spricht und dass er damit seinen Eltern eine Freude machen möchte.
  • Es wird angesprochen, dass im täglichen Umgang miteinander vieles möglich ist und willkommen ist. Die Schüler, die Schriftsprache sprechen, die Schülerinnen, die Umgangssprache sprechen und alle Sprachen, die diese Klasse noch im „Schatzkisterl“ hat. Keine ist richtig und keine falsch. Wir als LehrerInnen anerkennen alle aufrichtig.
  • Sätze wie: „Und ich glaube dir Markus, dass es für dich nicht leicht ist das auszuhalten, weil deine Eltern so auf der Schriftsprache bestehen. Ich mute und traue dir etwas zu:  Hier kannst du Schriftsprache sprechen und es ist willkommen und hier kannst du auch Umgangssprache oder Englisch… versuchen und alles ist willkommen.“  unterstützen das Kind im Aufbau einer toleranten und weltoffenen Haltung.
  • Die Klassenvorständin hält zu Markus bewussten Augenkontakt, so dass er sich bestätigt fühlt und seine mögliche auftauchende Ungeduld da- er nicht sofort drankommt, da in der Klasse auch andere SchülerInnen reden wollen- immer mehr loslassen kann.

Die Klassenlehrerin führt ein Gespräch mit den Eltern, in dem sie den Eltern vom Beziehungsbedürfnis „Vergewisserung“ und dem möglichen Umgang damit erzählt. Es ist anzunehmen, dass die Eltern für ihr Kind neben einer Beherrschung der Schriftsprache vor allem auch eine Bestätigung und Anerkennung der anderen Kinder wünschen.