Persönlichkeit und Entwicklung

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Hinhören – nachfragen - ernst nehmen

Quelle: Dan Race / Fotolia

Wertschätzung und Achtsamkeit in der täglichen Kommunikation ermöglichen uns einen guten Kontakt zu unseren Mitmenschen. So können wir auch schwierige Situationen gemeinsam klären.

Wir Menschen definieren uns über Bestätigung durch unser Umfeld. Am Beginn des Lebens durch körperliche Zuwendung, mit zunehmendem Alter übernimmt die Sprache die Funktion der Wertschätzung und Zugehörigkeit. Wenn wir wahrnehmen, dass unser Gegenüber unseren Erfahrungen und Gefühlen Glauben schenkt, können wir uns ernst genommen fühlen.

„Das tut doch gar nicht weh...“, „So schlimm kann es gar nicht sein...“, „Es ist schon wieder gut...“, „Das meinst du aber nicht so“ - wie oft haben wir solche Sätze schon gehört. Diese Sätze sind es, die dem Gegenüber die Glaubwürdigkeit absprechen, die Gefühle nicht ernst nehmen, in voreingenommener Weise davon ausgehen, über die innere Welt des Anderen bereits im Bilde zu sein. Gleichzeitig nehmen sie dem Gegenüber die Möglichkeit, sich verstanden zu fühlen. Diese Missachtung des Beziehungsbedürfnisses führt dazu, dass wir uns nicht ernst genommen fühlen und dass unser Vertrauen in die Tragfähigkeit der Beziehung Schaden nimmt.

Der amerikanische Pädagoge Larry Brendtro („Circle of Courage“ - Kreislauf der Ermutigung) hat in diesem Zusammenhang ein Trainingsmodul entwickelt, das auf einem Dreischritt aufbaut:

  1. Connect – in Beziehung treten,
  2. Clarify – Nachfragen, über Bedürfnisse sprechen,
  3. Restore – verletze Bedürfnisse erkennen und entsprechend handeln.

Der Fokus der Fortbildungseinheit liegt darauf, die TeilnehmerInnen darin zu unterstützen, auf Bedürfnisse der SchülerInnen einzugehen, anstatt auf Probleme zu reagieren.

Fallgeschichte: Elternkontakt Frau J.Die Mutter eines Volksschülers steht seit längerer Zeit in einem sehr gespannten Verhältnis zur Direktorin und zum Klassenlehrer ihres Sohnes. Verschiedene Schwierigkeiten des Buben in der Schule haben zu scheinbar unüberbrückbaren Differenzen geführt, inzwischen herrscht Eiszeit-Stimmung in der Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus. Die Situation scheint verfahren, ausweglos. Die wenigen verbliebenen Gespräche enden häufig in gegenseitigen Schuldzuweisungen bzw. in Verteidigungsstellung der Positionen.

 Beziehungsbedürfnis nach Bestätigung der Erfahrung

  • Die Mutter fühlt sich von den LehrerInnen unverstanden und im Stich gelassen.
  • Sie reagiert mit Selbstschutz – Verteidigungshaltung und Vorwürfe an die Schule.
  • Die Situation belastet auch den Schüler massiv, dies trägt zu einer weiteren „Abwärtsspirale“ der Verhaltensschwierigkeiten bei.

Handlungsspielräume

  • Für den Schüler wird stundenweise ein Beratungslehrer eingesetzt. Die Mutter holt den Buben täglich vom Unterricht ab, bei dieser Gelegenheit ergeben sich kurze, unbelastete Kommunikationsmöglichkeiten.
  • Der Beratungslehrer nutzt diese kurzen Treffen, um ohne Druck auf Ergebnisse in Kontakt mit der Mutter zu kommen: „Frau J., wie geht es Ihnen heute?“ Es folgen kurze Gespräche über einzelne Erlebnisse des Schülers, und so weiter.
  • Im Laufe der Monate entwickelt sich ein guter „Draht“ zwischen der Kindesmutter und dem Beratungslehrer, die Mutter kann sich verstanden und ernst genommen fühlen.
  • Zum ersten Mal seit längerer Zeit ist wieder ein konstruktives Gespräch mit mehreren Beteiligten von Schule und Elternhaus möglich. Über diese „Brücke“ finden auch der Klassenlehrer und die Direktorin zu einer besseren Gesprächsebene mit der Mutter. Trotz einiger Rückschläge können die schulischen Schwierigkeiten des Buben regelmässig besprochen werden.

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