Persönlichkeit und Entwicklung

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Ich bin einzigartig

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Kinder wollen in ihrer Einzigartigkeit gesehen werden. Eine Herausforderung, der sich LehrerInnen täglich stellen: Eine Klasse vor sich zu haben und gleichzeitig die Kinder in ihrer Individualität sehen und unterstützen.

Die Art, wie es Menschen gelingt, dem Bedürfnis nach Einmaligkeit Ausdruck zu verleihen ist faszinierend. Sei es durch Exklusivität oder Uniformität: Hinter beiden steht der Wunsch, dass Einzigartigkeit gesehen und unterstützt wird. LehrerInnen, die sich Zeit nehmen im Unterricht mit dem Aspekt: „Was Kind, macht dich als Mensch aus? Macht dich einzigartig?“ lassen die Erfahrung machen: „Ich darf besonders sein- ich darf ich sein- und gehöre trotzdem dazu, falle mit meiner Individualität nicht aus der Gruppe“.

Fallbeispiel: Jana, 1. Klasse Oberstufengymnasium

Dem entgegen steht die Erfahrung von Jana. Jana ist wie alle anderen auch neu in der Klasse. Einige kennen sich von ihrer gemeinsamen Unterstufenzeit, einige aus anderen Kontexten. Nur Jana und eine weitere Schülerin kennen niemanden. Jana hat sich sehr auf die Schule gefreut und ist sehr motiviert. Neben dem Fachunterricht haben die SchülerInnen auch einige Stunden gemeinsames Training, da sie für einen Teamsport trainieren. Jana erlebt von ihren Klassenkolleginnen vom ersten Tag Ablehnung. Sie beginnt vorsichtiger im Kontakt zu werden. Dennoch kommt ihr mutiges Wesen durch und sie geht immer wieder auf die anderen zu. Immer wieder erlebt sie von der „Redelsführerin“ Ablehnung und die anderen machen bei dieser Ablehnung mit. Von den LehrerInnen wird dies vollkommen übersehen und Jana beginnt zu vermuten, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Ihre sonst klare und kräftige Stimme wird zu einen „Pipsstimme“, ihr aufrechter Gang zu einem gebeugten und unsicheren.

Jana braucht Unterstützung und hat die Erfahrung gemacht, dass es die gibt und die hilft. Sie wendet sich an ihre Mutter, mit der Idee eines Coachings ausserhalb der Schule.

In dieser 2-stündigen Einheit findet Jana wieder Kontakt mit ihren Stärken und ihrer Persönlichkeit. Es geht um die Frage: Wer bin ich, was macht mich aus? Es geht darum, dass ich mich unterscheiden muss, weil wir alle einzigartig sind und ich dennoch gerne zu dieser Klasse gehören möchte und sehr gerne diesen Mannschaftssport ausüben möchte.

Jana wurde wieder sich-selbst-bewusst: selbstbewusst.

Was Jana geholfen hat:

  • Sie wurde von ihrer Familie mit ihren Sorgen ernst genommen.
  • Jana konnte sich Hilfe holen
  • Auf Janas LehrerInnen war Verlass. Das was sie ankündigten, hielten sie auch. Waren es Leistungsüberprüfungen oder Gespräche oder Termine.
  • Jana begann in ihrem Tagebuch aufzuschreiben, was an diesem Tag ein schönes Erlebnis war. So war neben der Schwere der Herausforderung auch Leichtigkeit im Fokus.
  • Jana erlebte von LehrerInnen, dass sie mit der ihr eigenen Art gesehen wurde. So wie die anderen SchülerInnen auch. Sie wurden vor allem als Individuen wahrgenommen und nicht ausschließlich als Klasse.
  • Jana erlebte, dass der Sportlehrer auch Grenzen setzte. Grenzen, in Bezug auf Lächerlichmachen und Ausgrenzung.
  • Jana begann damit an Veränderung zu glauben, auch wenn sie am Morgen häufig weinend in die Schule ging.
  • Sie war sich sicher, dass es der richtige Platz war und sie an dieser Herausforderung wachsen konnte.