Vom Wissen zur Umsetzung

Inhalt

Fallbeispiel: Klientin Frau M.

Quelle: Eva Maria Deutsch

Frau M., 43 Jahre alt, leidet an Depressionen und war Anfang 2014 für eine sechswöchige psychosomatische Therapie in einer Rehabilitationsklinik. Dies war ihre zweite Rehabilitation, denn vor acht Jahren war sie schon einmal wegen Depressionen in einer stationären Behandlung...

Auslöser für das erstmalige Aufbrechen der depressiven Problematik vor acht Jahren waren Konflikte am Arbeitsplatz. Frau M. arbeitete als Lehrerin in einer Volksschule. Ihre Schwierigkeiten mit dem Kollegium vermehrten sich und sie fühlte sich immer häufiger gemobbt und massiv unter Stress. Die ersten Symptome der Depression zeigten sich darin, dass vermehrt Schlafstörungen auftraten und dass sie in ihrer Freizeit auch an den Wochenenden kaum abschalten konnte. Die Arbeit und hauptsächlich die dabei erlebten Belastungen überschatteten ihr Leben. Sie hatte auch immer weniger Interesse, etwas zu unternehmen und zog sich mehr zurück. Die Beziehung zu ihrem Mann erlebte sie als wenig unterstützend. Hinzu kamen noch die immer stärker werdende Pflegebedürftigkeit der Schwiegermutter und die daraus resultierenden Verpflichtungen. Es wuchs ihr alles über den Kopf, sie fühlte sich ständig überlastet und gestresst und sie machte bei der Arbeit häufiger Fehler, war unkonzentriert und fühlte sich überlastet. Eines Morgens fühlte sie sich völlig unbeweglich und apathisch, konnte sich nur mit großer Kraftanstrengung bewegen und hatte keinerlei Interesse mehr an ihrer Umwelt. Ihr Arzt diagnostizierte eine Depression. Aber trotz medikamentöser Behandlung ging es ihr immer schlechter, sie zog sich völlig zurück und verließ nicht mehr das Haus. In die Schule zu gehen war für sie nicht möglich.

Sie beantragte eine Reha und entschied sich in der Reha, ihre Schule zu wechseln. Nach der Reha machte sie eine ambulante Therapie und bekam eine andere Medikation gegen die Depressionen. Sie entschied sich, Hilfe für die Pflege der Schwiegermutter zu organisieren. Es ging ihr deutlich besser, sodass sie nach siebenmonatiger Erkrankungszeit wieder in der Lage war, eine neue Arbeitsstelle anzutreten. Das neue Umfeld in der Schule gefiel ihr gut, sie entwickelte wieder Selbstwertgefühl und dank ihrer ambulanten Psychotherapie blieb sie stabil und engagierte sich gern für die Arbeitsstelle.

Durch Pensionierung der Direktorin veränderte sich die Atmosphäre unter der Kollegenschaft und der Stresspegel stieg wieder signifikant an für Frau M. In ihrer Ehe wurde es für sie immer problematischer, sodass sie sich von Ihrem Mann im Jahre 2012 trennte. Im gleichen Jahr starb ihr Vater. In der Schule verschärfte sich die die Situation. Durch diese Belastungen rutschte sie Ende 2013 wieder in eine Depression. Sie hatte ähnliche Symptome wie beim ersten Mal, blieb aber lediglich drei Wochen zu Hause, weil sie spürte, dass sie sich ohne Arbeit immer mehr in die Isolation zurückziehen würde. Da sie Angst hatte, wieder so tief in die Depression zu fallen, schleppte sie sich zur Arbeit. Sie war jedoch deutlich langsamer und unkonzentrierter und konnte nur einen Bruchteil der Unterrichtsvorbereitungen erledigen. Angesprochen von ihrer Direktorin auf ihren Leistungsabfall, eröffnete sie dieser ihre Problematik. Zuerst zeigte die Direktorin Verständnis und versuchte, sie etwas zu schonen. Es zeigte sich jedoch, dass die Tage, an denen sie es nicht schaffte, zur Arbeit zu gehen, mehr wurden und dass ihre Leistungsfähigkeit weiterhin sehr gering blieb. Die Kollegen reagierten anfänglich besorgt, nach einigen Wochen jedoch immer verständnisloser. Es kam zum zweiten Gespräch mit der Direktorin, in dem diese ihr deutlich aufzeigte, dass es so nicht weitergehen könne und sie aufforderte, eine stationäre Therapie zu absolvieren. Nach diesem Gespräch war Frau M. für mehrere Wochen krank. Sie spürte, dass sie den Anforderungen von Seiten der Kollegen und der Direktoring nicht gewachsen war. Sie war sehr verzweifelt und hatte Angst, dass sie ihren Beruf wegen ihrer Erkrankung nicht mehr ausüben könne. Sie nahm Kontakt zu einer Psychotherapeutin auf und organisierte mit ihrer Unterstützung die Aufnahme in eine psychosomatische Fachklinik.

Die Behandlung in der Fachklinik war für Frau M. zwar sehr anstrengend, half ihr aber, relativ kontinuierlich aus der depressiven Stimmungslage herauszukommen. Es wurde deutlich, dass Frau M. große Probleme mit der Abgrenzung anderen gegenüber hatte. Sie konnte schlecht „Nein“ sagen, war häufig unfähig, ihren Ärger zu zeigen, und stellte hohe Ansprüche an sich selbst, alles perfekt zu machen. Sie gönnte sich keine Entspannungs- bzw. Erholungsphasen. Die Trennung vom Ehemann und der Tod des Vaters reaktivierten frühe Schuldgefühle, welche sie wiederum durch hohes Engagement in der Schule zu kompensieren versuchte. Dies konnte sie in der Therapie bearbeiten. Große Ängste hatte sie jedoch, wieder an den Arbeitsplatz zurückzukommen und die Leistungsanforderungen nicht erfüllen zu können. Auch war sie sich nicht sicher, ob sie in der Lage sein würde, die erlernten Ansätze im Bereich des Stressmanagements, sich abzugrenzen und für sich zu sorgen, im Arbeitsalltag aufrechtzuerhalten. Daher gestaltete die Klinik ein Gespräch, bei dem die Direktorin anwesend war und mit Frau M. und ihrer Therapeutin die Wiedereingliederungssituation besprach. Man kam überein, dass Frau M. noch während der Therapie einen halben Tag die Schule besuchen würde, um sich, mit Unterstützung der Direktorin und der Psychotherapeutin, den KollegInnen zum Gespräch zu stellen. Weiterhin wurde beschlossen, dass eine, für Frau M. besonders aufreibende, Tätigkeit aus ihrem Arbeitsfeld ausgegliedert wird und dass eine gestufte Wiedereingliederungsmaßnahme geplant werden soll, sodass Frau M. die Möglichkeit hat, sich den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes langsam wieder zu stellen. Die Gespräche mit der Direktorin im Rahmen des Gesprächs machten Frau M. sehr viel Mut, dass die Zukunft für sie wieder hoffnungsvoller erschien.

Nach Entlassung aus der psychosomatischen Fachklinik arbeitete Frau M. zuerst nur wenige Stunden und steigerte ihre Arbeitszeit. Parallel hierzu konnte sie am Abend eine ambulante Gruppentherapie in der Fachklinik durchführen, um hierdurch die auftretenden Schwierigkeiten in der Schule bearbeiten zu können. Frau M. erlangte immer mehr Selbstwertgefühl. Sie hatte zwar immer wieder kurze Phasen von depressiven Verstimmungen, konnte diese aber aufgrund der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung gut überwinden.

Das genannte Beispiel zeigt insgesamt einen positiven Verlauf.

Patronat
Quelle/n
Anonymisierte Falldokumentation, Psychotherapeutin Anja Fischer
Autor/-in
Anja Fischer

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