Stressmanagement im LehrerInnenberuf

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Gewaltfreie Kommunikation

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Marshall B. Rosenberg (* 6. Oktober 1934 in Canton, Ohio; † 7. Februar 2015 in Albuquerque, New Mexico) war ein US-amerikanischer Psychologe. Rosenberg war Gründer des gemeinnützigen Center for Nonviolent Communication und international tätiger Mediator. Er hat das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GFK), englisch Nonviolent Communication (NVC), entwickelt.

Rosenberg verstand die Gewaltfreie Kommunikation als eine Methode zur Verbesserung des zwischenmenschlichen Miteinanders. Gelungene Kommunikation und dauerhaft friedliche Beziehungen gelingen nur bei echtem empathischen Kontakt.

Beeinflusst war seine Arbeit u. a. von den Erkenntnissen seines Lehrers Carl Rogers (Humanistische Psychologie) aus der klientenzentrierten Gesprächstherapie und Überlegungen Gandhis zur Gewaltlosigkeit. Er selbst sagte, dass sein Konzept nichts Neues beinhalte, „alles, was in die GFK integriert wurde, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, das wir bereits kennen – nämlich daran, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war.“

Er war überzeugt, dass die Art und Weise unseres Sprechens eine entscheidende Rolle bei unserer Fähigkeit spielt, einfühlsam zu bleiben.

Mehr als drei Jahrzehnte lang bot er seine Seminare überall in der Welt an, sein Konzept wird inzwischen angewandt in Familien, Schulen, in Therapie, Psychotherapie und Beratung, Organisationen und Firmen und bei diplomatischen und geschäftlichen Verhandlungen. Auch in den Krisen- und Kriegsgebieten greift man auf Rosenberg zurück, um gewaltfreie Kommunikation, selbst zwischen verfeindeten Volksgruppen, zu fördern (z. B. in Israel, Palästina, Ruanda und Kroatien). So haben 1994 serbische Pädagoginnen und Psychologen, unterstützt von Unicef, ein dreibändiges Werk zum Erlernen gewaltfreier Kommunikation nach Rosenbergs Methode für Kindergärten und Schulen entwickelt.

Rosenbergs Ziele:

  • Auflösung unserer alten Muster von Verteidigung, Rückzug und Angriff
  • Reduzierung von Widerstand, Abwehr und gewalttätigen Reaktionen
  • Förderung der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Einfühlung und des Wunsches, von Herzen zu geben
  • Lenkung der Aufmerksamkeit in eine Richtung, in der die Wahrscheinlichkeit steigt, das zu bekommen, wonach wir suchen
  • Entdeckung des Potentials unseres Einfühlungsvermögens durch die Klärung von Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis – statt Diagnose und Verurteilungen

Rosenberg schlägt vor, aus den Sprachgewohnheiten (Vorwürfe machen, moralisieren, fordern, beschuldigen) auszusteigen. Er entwickelt ein Modell der Kommunikation, das von vier Grundschritten geprägt wird. Werden diese beherzigt, ist respektvoller und einfühlender Umgang miteinander möglich.

  1. Was beobachtest du, was nimmst du wahr?
  2. Was fühlst du in dieser Situation?
  3. Was brauchst du?
  4. Worum bittest du und was könnte dich jetzt konkret unterstützen?

Die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation hören sich zusammen etwa so an:

  1. Wenn ich ... sehe, höre
  2. fühle ich ...,
  3. weil ich ... brauche.
  4. Bist Du bereit, mir ... zu geben?“

Denke ich so etwas wie „Du bist schuld …“ oder „Die sind schuld, dass es mir jetzt so elend geht“, gebe ich meine Chance, selbst etwas zu verändern, an den anderen ab. Solange der/die sich nicht ändert, werde ich mich wohl noch öfter oder länger „unglücklich“ oder „genervt“ fühlen.

Beispiel für eine gewaltfreie Gesprächsführung:

Gewaltfreie Kommunikation

Gängige Sprachgewohnheit

„Hallo Kollegen und Kolleginnen, wir hatten vereinbart, dass unsere Konferenz um 14 Uhr beginnt.  Jetzt ist es zum 4. Mal in den letzten zwei Monaten 14:15 Uhr.  
(Beobachtung)

Ich merke, dass das in mir eine Irritation und Unsicherheit auslöst (Gefühl),

weil mir Klarheit und Verbindlichkeit sehr wichtig sind. Außerdem möchte ich meine Zeit effizient ausnutzen. (Bedürfnisse)

Seid Ihr bereit, mit mir zu überlegen, wie wir zum vereinbarten Zeitpunkt gemeinsam beginnen können? (Bitte)

Variante 1: „Ich muss jetzt mal hier etwas loswerden Es ist nicht Ordnung, wenn hier einige immer zu spät kommen. Ich bin sauer, denn Ich habe noch mehr zu tun und möchte, dass wir in Zukunft pünktlich beginnen.“

Variante 2: „Sagt mal, kennt ihr denn keine Uhr? Wir wollten um 14 Uhr anfangen, jetzt ist es bald Feierabend! Ich habe keine Lust jedes Mal auf Euch hier zu warten!“

Mögliche Auswirkungen

Die Wahrscheinlichkeit, dass niemand meine Worte als Angriff deutet und ich Verständnis bekomme ist relativ groß, denn wie wichtig Klarheit, Verbindlichkeit und auch die effiziente Ausnutzung von Zeit ist, kann jeder nachempfinden.

Wir können sachlich nach einer Lösung suchen, die alle bereit sind einzuhalten.

Ich bringe die KollegInnen in einen Rechtfertigungsdruck.

Es können Entschuldigungen

oder Gegenargumente kommen.

Wenn ich Glück(?) habe, fühlen sie sich schuldig und versprechen in Zukunft pünktlich zu kommen.

Die Spannung bleibt wahrscheinlich jedoch.

Patronat
Autor/-in
Anja Fischer